Amazon macht den Einzelhandel platt – und das ist auch gut so

Amazon auf Notebook (Bild: Freepik)

Amazon ist böse. Es zerstört unseren Einzelhandel. So der gemeinsame Konsens der Medien und der Bundesbürger. Diese Sichtweise ist ziemlich einseitig und falsch.

Die Hexenjagd gegen Amazon

“Amazon hat den Einzelhandel zerstört”, “So gefährlich ist Amazons Macht”, “Amazon stürzt den Einzelhandel ins Chaos”, “Kaufhäuser in Not: Amazon-Effekt ein Job-Killer”. Diese und gleichartige Schlagzeilen gibt es seit ein paar Jahren in den Medien zu lesen. Und die Menschen übernehmen diese Denkweise von Schwarz und Weiß, Gut und Böse.

Eine falsche Denkweise, wie ich finde!

Amazon gibt den Menschen das, was sie möchten: schnelles, günstiges Onlineshopping mit einer gigantischen Auswahl. Dazu digitale Dienste wie eBooks, Video- & Musikstreaming und Sprachassistenten. 

Werden wir dazu gezwungen, dieses Angebot zu nutzen? Kriegt jeder von uns eine Tracht Prügel, wenn er nicht bei Amazon bestellt? Nein und nochmals nein. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft, die auf Angebot und Nachfrage basiert. Wenn dem Konsumenten etwas gefällt, dann nutzt er es. Wenn nicht, dann lässt er die Finger davon. Wir sind frei in unseren Entscheidungen.

Amazon gibt den Menschen was sie wollen

Wie konnte Amazon so groß und allmächtig werden? Weil wir – die Konsumenten – das Angebot dankend nutzen. Wir bestellen bei Amazon nicht nur Bücher, sondern auch Schuhe, Playstation-Spiele, Tampons und Insektenvernichter. Und wir hören über Amazon Echo unsere Lieblingssongs und auf dem neuen HD-Fernseher nutzen wir Amazon Prime Video.

Überhaupt: Schnelle, kostenlose Lieferungen und dann auch noch Schnäppchentage wie der Prime Day – Amazon Prime läuft wie geschnitten Brot und bindet den Nutzer noch mehr ans Amazon-Imperium.

Wir alle sind Jünger des Jeff-Bezos-Imperiums geworden. Und irgendwie lieben wir das auch, wenn wir ehrlich sind. Es gibt eben nichts Schöneres als über Amazon zu konsumieren. 

Andererseits sehen wir, wie unsere Innenstädte verwaisen, weil reihum die Ladengeschäfte dicht machen. Schuld daran ist natürlich nur das böse, böse Amazon. Der Gigant aus den USA, der nur das Schlechteste will. 

Hmmm … wie war das nochmals mit Angebot und Nachfrage und dem freien Willen des Konsumenten?

Der Einzelhandel hat’s nicht mehr drauf

Ein Grund, warum Amazon und der E-Commerce allgemein ungebremst wachsen (alleine im 1. Quartal 2019 um knapp 11%!): Es ist so bequem. Der zweite Grund: Die Alternativen sind so schlecht.

Ich war kürzlich mal wieder in einem Kaufhaus. Einmal hin, alles drin. Na gut, das ist der Slogan von Real, aber er passt ja auch irgendwie zu Galeria Karstadt Kaufhof. Meine Erkenntnis: Freiwillig tu’ ich mir das nie wieder an! 

Meine Customer Experience (um hier mal ein sehr strapaziertes Buzzword zu verwenden) begann im schäbigen, dunklen Parkhaus, bei dem ich herumirren musste, um den Eingang zum Kaufhaus zu finden. Innen angekommen, erhielt ich zwar alles, was ich wollte, aber dazu legte ich einen kleinen Marathon zwischen den Stockwerken hin. Besonders, weil ich alle meine Waren nicht an einer Kasse bezahlen konnte, sondern zu verschiedenen Abteilungskassen gehen musste. Und am Ende fand ich in dem immer noch gruseligen Parkhaus den Parkautomaten nur durch mehrmaliges Nachfragen. 

Mein Einkaufserlebnis: setzen, sechs!

Da wurde mir wieder bewusst: Ich liebe das Onlineshopping und möchte nicht mehr ohne leben! Das sehe nicht nur ich so, sondern mittlerweile die meisten Deutschen

E-Commerce in Deutschland Schaubild (Bild: bitkom)
Die Zeiten verändern sich. Die Welt wird digitaler. Und das ist auch gut so. Der Einzelhandel und viele Marktgrößen hatten viele Jahre Zeit, sich auf den Wandel vorzubereiten. Seit den 1990ern gibt es den E-Commerce. Doch kein Karstadt oder Woolworth hat diese Chance genutzt, sondern Amazon. Und das mit einem Angebot, das man als Konsument nur schwer ablehnen kann.

Die Erkenntnis für Unternehmen, egal ob sie im Handel tätig sind oder nicht: Sich dem Wandel zu verschließen und herum zu jammern bringt nichts. Außer man will zu den Verlierern gehören.

Bilder:  freepik / bitkom

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