Hört doch bitte mit dem “Digital Detox”-Hype auf!

Digital Detox (Bild: Shutterstock)

Digital Detox. Der Begriff kommt zunehmend in Mode. Ich kann ihn nicht mehr hören. Zum einen, weil er falsch verwendet wird. Und weil der vermeintliche Digital Detox nur eine halbgare Maßnahme ist, die im Trend liegt – mehr nicht.

Neues Jahr, neue (alte) Vorsätze

2020 ist da. Und wie jedes Jahr nehmen sich die Menschen Dinge vor, die sie nun unbedingt realisieren möchten: mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen, weniger Fleisch essen, mehr Zeit mit der Familie verbringen, endlich ihren blöden Job kündigen.

Und mal einen Digital Detox machen. Digital … was?

Was ist Digital Detox?

Detox ist die Abkürzung von Detoxifikation. Die Entgiftung ist unter anderem eine medizinische Methode, um Giftstoffe aus dem Körper zu bekommen. Auch Drogensüchtige machen einen Detox.

Der Digital Detox soll somit die Entgiftung vom Digitalen sein. Das impliziert, dass “das Digitale” etwas Schädliches sei, das aus unserem Körper vertrieben werden muss. Der “Patient” möchten eine Auszeit von digitalen Versuchungen nehmen.

Digital Detox = Social Media Detox

Seien wir mal ehrlich: Die allermeisten, die vom Digital Detox reden, meinen eigentlich, dass sie weniger ihr Smartphone in die Hand nehmen möchten. Sie sind süchtig nach den neuesten Facebook-Statusmeldungen, nach neuen Instagram-Fotos und WhatsApp-Chats. Und damit benötigen sie eigentlich einen Social Media Detox!

Das ist verständlich. Viele Menschen leiden unter FOMO, dem Fear Of Missing Out. Sie haben Angst, sie könnten etwas verpassen. Deswegen hängen sie ständig am Smartphone, um in die Welt der digitalen Meldungen abzutauchen. Sie sind ständig “distracted” – selbst beim Fernsehschauen, bei Gesprächen mit Freunden oder beim Spielen mit ihren Kindern. Sie werden zu Smombies.

Ja, dagegen muss etwas getan werden. Nicht, weil soziale Netzwerke etwas Schlechtes sind. Sondern weil die Nutzung von manchen Usern zu einer Sucht wird. Davon benötigen sie einen Entzug.

Aber reicht es, wenn man einfach mal ein paar Tage lang weniger auf Facebook vorbeischaut? Oder indem man derlei Apps während den Feiertagen nicht öffnet? Anders gefragt: Reicht es, wenn ein Alkoholiker einfach weniger Alkohol trinkt? Oder wenn ein Kettenraucher mal zwei Tage lang keine Kippe anzündet?

Die Antwort ist klar: nein! Echte Abhängige benötigen eine professionelle Hilfe. Ansonsten ist der Detox keine echte Entgiftung, sondern nur ein halbgare und in keinster Weise nachhaltige Maßnahme. Der achso angesagte Digital Detox ist somit bei dem meisten nur ein cooler Begriff, der verwendet wird, um das eigene Gewissen zu beruhigen – mehr nicht.

Und der Begriff ist wie gesagt falsch gewählt. Eigentlich handelt es sich um einen Social Media Detox oder Smartphone Detox.

Was wäre ein echter Digital Detox?

Würde der Begriff Digital Detox ernst genommen werden, würde das bedeuten, von allen digitalen “Giften” zu entsagen. Das heißt, man dürfte folgende Sachen nicht mehr nutzen:

    • Alle digitalen Geräte: Smartphones, Tablets, Computer, Fernseher, Amazon Echo, Smart-Home-Devices, Fitnesstracker, Smartwatches, Navi etc.
    • Auch Webseiten, Onlineshops, Onlinebanking, E-Mails, Musik- und Videostreaming sind tabu!

Wollen wir das? Und: Können wir das überhaupt? Ist es in unserer modernen Welt machbar, einen echten Digital Detox durchzuführen? Eigentlich nicht. Schon alleine, weil wir alle bei der Arbeit einen Computer und das Internet benötigen.

Wer einen Digital Detox im wahren Sinn des Begriffs durchziehen möchte, müsste sich in die Einsamkeit zurückziehen. Und das natürlich ohne Equipment wie Uhren, Navi oder Handy. So wie unsere Vorfahren – back to nature!

Digital Detox: Kann man machen, aber …

Sich Gedanken über seine Smartphone-Nutzung zu machen. Mehr reden, weniger chatten. Mal bei der Busfahrt aus dem Fenster schauen anstatt aufs Handy-Display. All das ist sinnvoll. Auch wenn die Digitalisierung voranschreitet und die Vernetzung zwischen uns Menschen immer enger wird, sollten wir den digitalen Versuchungen nicht immer nachgeben.

Nichtsdestotrotz darf man das Digitale nicht als Gift bezeichnen, von dem wir ein Detoxification benötigen! Digitale Produkte und Dienstleistungen sind per se nichts Schlechtes. Die meisten davon machen unser Leben einfacher, bequemer, vielseitiger. Aber sie haben Suchtpotential – wie Essen, Nikotin oder Alkohol. Da müssen wir dagegenhalten.

Und wir sollten endlich Digitale Kompetenz aufbauen. Zum Beispiel in den Schulen. Und in den Unternehmen. Nur wenn wir wissen, wie digitale Produkte funktionieren und wie sie wirken, können wir sie besser in unser Leben einbauen. Mehr als Werkzeuge, weniger als Unterhaltungsmedium. Und als Grundlage für neue Ideen, Konzepte, Produkte, Dienstleistungen.

Fazit

Somit meine Bitte: Verwendet den Begriff Digital Detox nicht! Macht keinen Fake-Entgiftung, sondern nutzt die Digitalisierung mit all ihren Facetten richtig!

 


Tipp: Wenn ihr euer digitales Verhalten hinterfragen und ändern wollt – auf https://digital-detox-blog.de/ gibt’s ein paar gute Artikel und Ratgeber zum Thema.

 

Bild: Shutterstock

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