“Wir sind mit unserem Digitalisierungsprojekt fertig” – ein Epic FAIL!

Digitalisierung Software Update (Bild: Pixabay)

Manche Manager sind von der Digitalisierung überfordert. Also bremsen sie die digitale Transformation ihres Unternehmens mit falschen Denkweisen und Herangehensweisen aus. Hier ein trauriges Beispiel aus dem echten Leben.

Ein Software-Update als Digitalisierungsprojekt

Vor ein paar Wochen saß ich mit einem Freund bei einem Bier zusammen. Er erzählte mir, dass sich das mittelständische Unternehmen, in dem er arbeitet, sich mittlerweile auch mit der Digitalisierung beschäftigen würde. Und man sei schon fertig damit.

Fertig? Mit der Digitalisierung? Ich dachte, mein Freund möchte mich verarschen. Doch es war kein Lächeln und Grinsen in seinem Gesicht zu sehen. Dann folgte die ernüchternde Auflösung: Sein Unternehmen hatte für einen vierstelligen Betrag einen IT-Berater engagiert, der ein Software-Update durchführte. Das war’s.

Mehr gäbe es in nächster Zeit nicht in Sachen Digitalisierung zu tun, so die Geschäftsführung meines Freundes. Begründung: Das Geld sei knapp, die Software reiche für die Digitalisierung aus. Und überhaupt … die Mitarbeiter könnten ja nicht einmal die Software bedienen.

Punkt. Aus. Augen zu. Weitermachen.

Äh … nein! Das Verhalten der Geschäftsführung offenbart einige Schwächen. Auf zwei Besondere möchte ich hier eingehen:

Nr. 1: Digitale Lösungen, die keine Lösungen sind

Die Geschäftsführung schaffte Software an, die von den Mitarbeitern nicht verstanden und dementsprechend wenig genutzt wird. Anstatt an dieser Situation etwas zu ändern, wird an der Software festgehalten und zusätzlich noch Geld für ein Update ausgegeben. Das tote Pferd wird also weiter geritten. Und die Mitarbeiter müssen mit einem System leben, das sie nicht verstehen.

Ein Verhalten, das ich schon in verschiedenen Unternehmen erlebt habe. Anstatt eine Software einzukaufen oder entwickeln zu lassen, die an die Anforderungen der User angepasst wird, zwingt man den Usern eine Software auf.

Die eigentlich gut gemeinte, digitale Lösung bringt keine Verbesserungen und wird zum Stolperstein. Der Versuch einer Digitalisierung von Prozessen scheitert. Frust entsteht bei der Geschäftsführung und den Mitarbeitern. Ohne Erfolgserlebnis wird auch eine weitere digitale Transformation des Unternehmens ausgebremst (“Kostet nur Geld und bringt nix”).

Nr. 2: Projektdenken

Viele Menschen denken, die Digitalisierung sei ein Projekt. Eben die Einführung einer neuen Software. Oder die Anschaffung von Tablets. Ein Projekt besitzt ein Anfang und ein Ende. Danach widmet man sich dem nächsten Projekt, meist aus einem anderem Bereich.

Ein Fehler. Wie schon in meinem Kommentar “Nein, die Digitalisierung ist keine lästige Latein-Klassenarbeit!” beschrieben, ist die Digitalisierung keine aktuelle Modeerscheinung, die bald wieder verschwindet. Der Digitale Wandel begann bereits vor ein paar Jahrzehnten (ja, Jahrzehnte!) und wird bleiben. Er schreitet von Tag zu Tag voran, es gibt kein Ende. Dementsprechend besitzt die Digitalisierung eines Unternehmens auch kein Ende.

Was zu tun ist

Unternehmen müssen sich der Digitalisierung stellen. Eigentlich müssten sie das schon vor vielen Jahren getan haben. Und sie müssen an ihrer stetigen digitalen Transformation arbeiten. Dieser Wandlungsprozess beinhaltet zahlreiche Aufgaben, woraus eine lange Liste mit Maßnahmen und Tasks entsteht. Diese Liste wird vielleicht zwischendurch mal etwas kürzer, aber niemals abgearbeitet sein. Ganz im Gegensatz zu einem Projekt. Deswegen benötigen Unternehmen neue Vorgehensweisen – zum Beispiel Scrum, Kanban und andere agile Methoden.

Bei agilen Projekten (die ja eigentlich keine Projekte sind) geht es darum, schrittweise etwas voran zu bringen. Und das immerwährend, ohne Pausen und ohne Ende. Immer am Ball bleiben. Alles ist ständig im Fluss. Somit kann die Digitalisierung eines Unternehmens niemals abgeschlossen sein – erst recht nicht mit einem Software-Update. Außer das Unternehmen steht vor dem Aus.

Bild: Pixabay

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