Darum sind die meisten Start-ups gar keine Start-ups

Startup Hype (Bild: Shutterstock)

Start-ups sind „in“, trendy, hip, angesagt und in aller Munde. Doch nur die allerwenigsten Unternehmen, die als Start-up bezeichnet werden, erfüllen die eigentliche Bedeutung des Begriffs. 

Start-ups wohin man blickt – toll, oder?

Spätestens seit Die Höhle der Löwen sind sie in aller Munde: Start-ups. Sie pitchen im Fernsehen um Geld und Aufmerksamkeit, und die Politik hat sie als cooles Thema erkannt. Verständlich, denn Start-ups stehen für Innovationen, Pioniergeist, Gründertum, Aufbruch und Umbruch.

Doch sind wir mal ehrlich: Die meisten Unternehmen, die hierzulande als Start-up hofiert werden, sind den Begriff nicht wert. Echte Start-ups gibt es in Deutschland nur wenige.

Alles und jeder ist ein Start-up

Ein Tüftler, der so etwas wie die Abfluss-Fee erfindet, gilt neuerdings als One-Man-Start-up. Auch App-Entwickler, E-Commerce-Unternehmen und Software-Schmieden tragen den Status „Start-up“ . Gründet jemand eine Firma oder macht er irgendwas mit Bits und Bytes ist sein Unternehmen sofort ein Start-up. Start-up hier, Start-up dort.

Verfolgt man die Medien, verwandelt sich gerade ganz Deutschland in ein neues Silicon Valley. So etwas braucht ja unser Land, denn klassische Industrien stehen unter Druck und in Sachen Digitalisierung hinken wir viele Jahre hinterher. Die Start-ups könnten uns retten – so der oft zu lesende Konsens.

Doch weder stimmt das eine, noch das andere! Weder können Start-ups die Großindustrie und den deutschen Mittelstand (das Rückgrad unserer Wirtschaft!) ersetzen. Noch besitzen die meisten Neugründungen und jungen Unternehmen eine echte Start-up-DNA.

Was macht ein Start-up aus?

Der Begriff Start-up steht mittlerweile fälschlicherweise für die Neugründung eines Unternehmens. Oder zumindest für ein junges Unternehmen, dessen Produkt ein neues Konzept aufweist.

Doch Interdentalbürsten, asiatische Marinaden, Socken mit Zehenspreizer, Bierflaschen-Aufsätze und all der andere Kram, der durch Die Höhle der Löwen bekannt wurde, hat nullkommanichts mit dem zu tun, was ein _richtiges_ Start-up ausmacht!

In meinem Beitrag “Was bedeutet eigentlich … StartUp?” auf StartUpWissen.biz erkläre ich genau, was der Begriff ursprünglich – bevor er durch die Medien aufgeweicht wurde – beschreibt.

Zusammengefasst steht er für ein junges Unternehmen, das ein wirklich innovatives Produkt anbietet, was gut skalierbar ist und ein hohes disruptives Potential besitzt. Wichtig hierbei ist, dass alle drei Aspekte zusammenkommen!

Die meisten Start-ups sind gar keine Start-ups!

Über 90% der Produkte, welche die vermeintlichen Start-ups anbieten, sind lediglich eine Weiterentwicklung eines bestehenden Produktes und lösen keine Disruption aus. Ergo: Die Unternehmen dahinter zählen nicht als Start-ups.

Selbst einige namhafte New-Economy-Firmen, die unter der Flagge “Start-up” laufen, sind falsch zugeordnet. Zum Beispiel Zalando. Die Berliner verticken zwar sehr erfolgreich Klamotten übers Internet und setzen so den Einzelhandel unter Druck, doch ein derartiger Onlineshop ist weder großartig innovativ, noch neuartig – und somit per Definition kein Start-up.

Fazit

Zugegeben, das Buzzword “Start-up” klingt modern, es duftet nach Innovation, Aufbruch und coolen Leuten. Somit ist es eigentlich nicht verwerflich, wenn junge Unternehmen mit frischen Ideen als Start-up bezeichnet werden – auch wenn sie es im strengen Sinne nicht sind.

Was mich allerdings nervt, ist die inflationäre Verwendung. Ich finde es schade, wenn Unternehmen, die banale Produkte wie Grillgewürze oder die bereits erwähnte Abfluss-Fee auf den Markt bringen, sprachlich mit den wirklich innovativen Neugründungen in einen Topf geschmissen werden. Ein Dacia ist eben kein Porsche, auch wenn beides Autos sind!

Bild: Shutterstock

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