Was wir aus der Tumblr-Pleite lernen können

Was ist der größte Feind des Erfolges? Der vergangene Erfolg. Gerade im Digitalzeitalter können One-Hit-Wonder nicht überleben. Sie enden dann wie Tumblr und andere ehemalige Internet-Größen.

AOL, Netscape und Winamp: Die guten, alten Zeiten…

Erinnerst du dich an “Mambo No. 5” von Lou Bega, “The One and Only” von Chesney Hawkes oder “King of my Castle” des Wamdue Projects? Sicherlich. Die Lieder waren über viele Wochen in den Charts. Und das war’s dann auch. Keiner der Künstler hatte danach nochmals einen gleichartigen Erfolg. Ein typisches One-Hit-Wonder.

Solche One-Hit-Wonder gibt es auch im Internet- und Digitalbusiness. Zugegeben: Yahoo, AOL, Compuserve, Netscape oder Winamp konnten sich zwar über einige Jahre halten, trotzdem kam nichts Weltbewegendes mehr nach. In der Regel wurden die Unternehmen verkauft, weiterverkauft, nochmals weiterverkauft … und sind dann irgendwann in der Versenkung der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Tumblrs steiler Aufstieg und harter Fall

Tumblr war auch einmal ein Internet-Wonder. Der Microblogging-Dienst erfreute sich um das Jahr 2010 herum großer Beliebtheit. Deswegen wurde Tumblr 2013 von Yahoo (damals noch einigermaßen erfolgreich) für 1,1 Milliarden US-Dollar aufgekauft, 2017 übernahm Verizon Yahoo inklusive Tumblr für 4,5 Milliarden Dollar.

Vor ein paar Tagen gab es einen erneuten Deal: Automattic, das Unternehmen hinter WordPress, kaufte Tumblr für weniger als 10 Millionen Dollar auf. Insider sagen, es waren nur 3 Millionen Dollar.

Egal, ob 3 oder 10 – wir reden hier von Millionen, nicht Milliarden!

Das bedeutet, Tumblr hat innerhalb weniger Jahre einen Wertverlust von über 99% erlitten. Neunundneunzig Prozent! Diese Zahl musst du dir auf der Zunge zergehen lassen.

Dieser krasse Wertverlust mutet für Laien unverständlich an. Tumblr hatte doch mal zig Millionen User und Milliarden von Visits. Außerdem ist es eine Internet-Company. Die boomen doch in Zeiten der Digitalisierung, heißt es. So etwas muss doch ein Selbstläufer sein.

Nein, muss es nicht!

Wir alle sind Haie

Selbst im derzeit überhitzen Online- und IT-Markt ist nicht alles, was groß und bekannt ist, auf Erfolg gepolt. Erst Recht nicht auf mehrere Jahre. Der Abstieg von Tumblr, Yahoo, AOL und anderen Web-Größen zeigt, dass das Internet mit seinem mannigfaltigen Business-Möglichkeiten kein Ponyhof, sondern ein Haifischbecken ist. Die Haie sind nicht nur die Manager und Spekulanten, sondern auch wir, die User. Wir entscheiden mit unseren Klicks, unserer Verweildauer und unserem Verhalten darüber, was zum Hype oder Flop wird.

Das folgende Schaubild zeigt sehr gut das Auf und Ab der Internet-Riesen in den vergangenen Jahren:

Bild: Visualcapitalist

Was heute “in” ist, kann morgen schon komplett “out” sein. Man denke an MySpace, StudiVZ, ICQ oder Napster – wer nutzt das heute noch? Die Hoch-Zeiten der einstigen Giganten sind vorbei. Die neuen Shooting-Stars heißen unter anderem Facebook, Whatsapp, Instagram, Google, Amazon, Spotify und Netflix.

Doch wie lange noch? Werden wir in fünf Jahren noch über Netflix bingewatchen, chatten über Whatsapp und shoppen über Amazon? Aus heutiger Sicht würden die meisten sagen: Ja, auf jeden Fall. Ich würde sagen: Schau’n mer mal!

Das Rad der Wirtschaft steht niemals still. Besonders nicht in Zeiten der Digitalisierung. Nun dreht es sich schneller denn je. Somit ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren einige aktuelle Big Player über den Jordan gehen werden und dafür neue Shooting-Stars und One-Hit-Wonder nach oben kommen.

Erfolg ist kein Garant für weiteren Erfolg

Was bedeutet das für Unternehmenslenker und Manager? Erfolg ist weder planbar, noch pachtbar! Erst recht nicht, wenn man sich auf seinen Erfolg ausruht und die Zeichen der Zeit verpennt. Dan Schulmann, CEO von PayPal, sagte mal ganz passend:

“Das größte Hindernis für den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens ist der vergangene Erfolg.”

Das Schöne und zugleich Grausame an der modernen Welt ist: Theoretisch kann jedes Unternehmen der Konkurrent und Feind des anderen sein. Das siloartige Denken und Agieren in Branchen und Produkten gibt’s immer weniger.

Heutzutage heißen beispielsweise die Konkurrenten von etablierten Autobauern wie VW, Daimler und BMW nicht nur General Motors, Toyota und Kia, sondern auch Tesla, Google, Uber und Nvidia. Start-ups und branchenfremde Unternehmen drängen in den Markt und brechen ihn mit ihren Konzepten auf. Es entsteht eine Disruption. Das Auto, wir wir es seit Jahrzehnten kennen, wird morgen von autonom fahrenden E-Mobilen und Wasserstoff-Fahrzeugen abgelöst, das Statusdenken durch Shared Economy und neue Mobilitätskonzepte.

Die Welt ist im Umbruch. Überall. Es gibt keinen Grund, sich auf bestehenden Strukturen und Erfolgen auszuruhen! Und genau deswegen ist es so wichtig, dass Unternehmen die Digitalisierung und den Wandel mit ihren mannigfaltigen Facetten nicht ablehnen, sondern in sich aufnehmen und mitgestalten. Ansonsten enden sie eines Tages wie Tumblr.

Bilder: Tumblr, Visualcapitalist

Ein Kommentar bei “Was wir aus der Tumblr-Pleite lernen können”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.