Social Networks (Bild: Pixabay)

Soziale Netzwerke gehören zu unserem Leben dazu, ohne geht es kaum noch. Trotzdem sollten sich Unternehmen nicht voller Eifer darauf stürzen. 

Jedes Unternehmen MUSS auf Facebook sein – oder?

Diese Aussage habe ich in den letzten Jahren schon mehrfach von meinen Kunden gehört: “Wir brauchen einen Account bei Facebook! Und wir müssen was auf Twitter, Instagram und Youtube machen!”

Ich: “Warum?”

Kunde: “Weil man da als Unternehmen heutzutage sein muss.”

Ich: “…”

Kunde: “Und kennst du dich mit Snapchat, Pinterest, LinkedIn, Xing und TikTok aus? Wir müssen da jetzt auch dabei sein!”

Ich: “Warum genau muss man da überall sein? Was bringt das deinem Unternehmen?”

Kunde: “Reichweite. Fans. Follower. Aufmerksamkeit. Alles kostenlos.”

Ich: “Äh … nein!”

Kunde: “Unsere Mitbewerber machen das doch auch!”

Der letzte Satz ist natürlich ein Todschlag-Argument. Weil die Mitbewerber aka Konkurrenten das machen, muss man auf dieser Hochzeit ebenfalls mittanzen. Man darf ja als Unternehmen auf keinen Fall etwas verpassen. Bloß nicht zu spät auf den Zug aufspringen!

Dabeisein ist nicht alles

Ja, es stimmt. Zu spät auf einen Zug aufzuspringen, kann schlimme Folgen haben – zum Beispiel in Sachen Digitalisierung. Trotzdem gilt immer im Business: Nachdenken statt einfach machen! Wobei man natürlich auch nicht zu viel nachdenken sollte, sonst denkt und redet man mehr, als mal zu handeln.

Doch kommen wir zurück zum Thema Social Media. Da ist meine Meinung ganz klar. Nein, nein und nochmals nein – kein Unternehmen MUSS auf Facebook, Instagram, Snapchat oder Kanal X, Y und Z sein!

Über die Hälfte der Weltbevölkerung ist drin

Zugegeben, die Zahlen klingen verlockend. Sehr verlockend! Laut aktuellen Erhebungen gibt es weltweit über 3,7 Milliarden Social-Media-Accounts, jede Sekunde kommen zehn neue dazu. Bei Facebook tummeln sich ca. 2,5 Milliarden Menschen, bei Youtube knapp zwei Milliarden und bei Instagram eine Milliarde.

Die meisten Teenager denken, die sozialen Netzwerke hätten einen positiven Einfluss auf ihr Leben. Und Donald Trump wurde wahrscheinlich wegen Twitter & Co. zum Präsidenten gewählt.

Social Media Zahlen Schaubild (Bild: Statista)

Ja, Social Media gehört dazu – aber….

Social Media ist omnipräsent. Und mächtig. Ohne Facebook, Instagram und dergleichen mögen viele Menschen nicht mehr leben. Die Netzwerke gehören zu unserem Leben dazu – im Privatleben wie auch im Business.

Somit sollten Unternehmen hier aktiv sein, das gebe ich zu. Und ich empfehle es auch. Doch was ich ganz und gar nicht empfehle, ist: Niemand sollte “einfach so”, “mal nebenher” oder “weil es die anderen auch machen” mit seinen Social-Media-Aktivitäten beginnen! Und erst recht nicht auf mehreren Netzwerken gleichzeitig.

Ohne Marketing- bzw. Social-Media-Strategie wird nur viel Energie, Zeit und Geld verplempert. In der Regel führt das zu Misserfolgen und Frust. Und zu verwaisten oder peinlichen Accounts, die mehr schaden als sie bringen.

Gier und Aktionismus statt Strategie

Wie in meinem eingangs gezeigten Dialog sind viele Unternehmen bzw. Entscheider Getriebene. Sie verspüren den Zwang, unbedingt bei Social Network A, B, C und D dabei zu sein. Die Zahlen und Vorteile klingen einfach zu verlockend.

Fehlende Social Media Strategie (Bild: Marketoonist)

Eigentlich sollten wir alle wissen, dass es fast nie im Leben ganz einfache und günstige Lösungen gibt, um erfolgreich zu sein. Leider blendet man das gerne aus.

Social-Media, das klingt nach Spielplatz. Nach einem Schauplatz, wo man “halt so” und “hin und wieder” nette Bildchen, Sprüche oder Videos postet. Die Likes, Follower und damit die Aufmerksamkeit, der Traffic und am Ende des Tages die Umsatzsteigerung kommen dann von selbst. So die verheißungsvollen Wünsche.

Das sind Seifenblasen. Facebook ist weder ein Wilder Westen, noch gibt es einen “Goldrausch” auf Instagram und TikTok. Auch in der bunten Welt der Memes, Katzenvideos und Mitsing-Videos gilt: nachdenken und richtig machen!

Wenn ein Unternehmen auf den sozialen Netzwerken aktiv sein will, benötigt es eine Strategie. Und gehaltvolle Inhalte!

Diese Checkliste deckt die Mängel im Vorhaben auf

Um eine Strategie zu entwickeln, hilft es oft, sich ein paar Fragen zu stellen. Für mein Buch “Onlinemarketing für StartUps” habe ich ein paar zusammengestellt.

    • Welche Ziele werden mit der Social-Media-Strategie verfolgt? Was sind die Messgrößen? Wie können diese gemessen werden? Was sind relevante Kennzahlen, was sinnlose Vanity Metrics?
    • Wie passt die Social-Media-Strategie zur Marketing-, PR-, Vertriebs-, HR- und zur gesamten Firmenstrategie? Welche Stakeholder (bspw. Kollegen und Abteilungen) müssen ins Boot geholt werden?
    • Sind die Zielgruppen / Personas des Unternehmens bzw. der verschiedenen Abteilungen auf den sozialen Netzwerken aktiv? Wie und warum? Wie sieht die Customer Journey aus?
    • Welche Inhalte werden benötigt, um die Strategie umzusetzen? Ist es möglich, die angepeilten Kanäle adäquat zu bedienen?
    • Woher kommt der Traffic? Wie sollen Fans und Likes generiert werden? Welche Hebel gibt es, um das Engagement der Follower zu fördern?
    • Gibt es genügend Personal und Budget, um die Social-Media-Strategie für mindestens ein Jahr durchzuführen?
    • Kann das angedachte Team bzw. der Verantwortliche mehrmals pro Woche etwas posten? Gibt es dafür die benötigte Zeit, Befähigung und die Mittel?
    • An wen berichtet der Social-Media-Verantwortliche? Wie gelangen wichtige Erkenntnisse oder das Kunden-/Follower-Feedback an die entsprechenden Kollegen?
    • Wie lange soll die Test-Phase laufen? Was passiert, wenn die Social-Media-Strategie in dieser Zeit nicht funktioniert? Gibt es einen Plan B?

Wenn ein “Wir müssen unbedingt auf allen sozialen Netzwerken”-Verfechter die hier genannten Fragen genau durchgeht, wird er schnell merken, dass sein Vorhaben alles andere als leicht ist.

Social Media: richtig machen – oder gar nicht

Das heißt aber nicht, dass eine Social-Media-Präsenz per se abzulehnen oder zu verzögern ist. Aktivitäten in soziale Netzwerke gehören in jeden (Online-)Marketing-Plan! Nur sollten sich die Verantwortlichen genau überlegen, warum, wo und wie sie agieren möchten.

Zum Beispiel macht es wenig Sinn, auf Instagram und Pinterest zu sein, wenn das Unternehmen keine gescheiten Bilder liefern kann. Ebenso ist es kontraproduktiv, wenn auf Twitter und Facebook stupide Pressemeldungen und News – also Eigenlob – verbreitet wird.

Und: Was auf Facebook funktioniert, muss nicht zwangsläufig auf Instragram durch die Decke gehen. Und umgekehrt. Jeder Kanal funktioniert anders! Dementsprechend muss er eigenständig betrachtet und mit originären Inhalten bespielt werden. Das erfordert Grips, Kreativität, viele Analysen und einen langen Atem.

Und das alles kostet Zeit, Manpower und am Ende des Tages Geld.

Nichts ist umsonst – auch nicht der Erfolg auf sozialen Netzwerken. Deswegen muss und sollte kein Unternehmen auf allen Plattformen aktiv sein. Besser ist es, mit ein-zwei Social Networks zu beginnen. Und dann schaut man, ob eine “Expansion” wirklich sinnvoll und umsetzbar erscheint.

Möchtest du mehr über das Thema Social-Media-Strategie erfahren? Im Rahmen des Online-Kongress’ “Social Media für den Mittelstand” habe mich mit der Expertin Sandra Staub darüber unterhalten:

Und in dieser Folge des USP Marketing Podcast geht es um die besten Zeiten fürs Posten auf den sozialen Netzwerken:

Bilder: Pixabay, Statista, Marketoonist

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