Opel Kadett (Bild: Jürgen Kroder)

Viele Menschen empfinden Home Office als unangenehm. Wenn ihr Heimarbeitsplatz so wie mein alter Opel Kadett ist, kann ich das verstehen. Das kann man dagegen tun.

Zweckmäßig, aber nicht komfortabel

Vor rund 20 Jahren besaß ich einen Opel Kadett. Der war hässlich, durchgerostet, aber günstig. Und er brachte mich von A nach B. Unter Umständen auch mit vier Kumpels, ein-zwei Bierkästen und jeder Menge Zeltgepäck. Das war nicht gemütlich, aber wir kamen zum Ziel. Irgendwann. Irgendwie.

Ein Schwenk in die Gegenwart. Durch die Corona-Krise arbeiten nun viele Menschen im Home Office. Man liest und hört oft, sie seien “aus dem Büro verbannt” und in die Heimarbeit “gezwungen worden”. Derlei negative Formulierungen stoßen mir sauer auf. Denn im Jahre 2020 sollte es in vielen Berufen und Branchen üblich sein, von zuhause aus zu arbeiten. Das ist keine Strafe!

Nun ja, da wir aber im #Neuland leben, ist eben das Home Office etwas Neues und Seltsames. Etwas, bei dem noch die Nase gerümpft wird. Leider.

Das Home Office – ein unsympathischer Arbeitsplatz

Ein Grund, warum das Home Office für einige Menschen als etwas Ungemütliches anmutet: Es erinnert sie an meinen Opel Kadett. Also im übertragenen Sinne.

Mein Kadett war klein. Nicht schön anzusehen. Er war laut. Man bekam Rückenschmerzen beim Sitzen. Eine unsympathische Karre. Ein Mittel zum Zweck, nicht mehr. Eine Übergangslösung, bis ich mir ein richtiges Auto leisten konnte.

So oder so ähnlich dürfte die Gefühlslage bei vielen Home-Office-Neulingen sein. Sie sitzen nun zuhause und sollen von dort aus arbeiten. Sie setzen sich ins Wohnzimmer oder richten sich eine Ecke in der Küche ein. Bei schönem Wetter wird der Balkon oder der Garten zum “Open Office”. Das alles ist eine Notlösung, kein richtiger Arbeitsplatz.

Das kann in Ordnung sein, wenn man mal ein-zwei Tage von zuhause aus arbeitet. Aber, liebe Leute, die Corona-Krise dauert schon länger an. Und sie wird – das befürchte ich – noch viele weitere Wochen unser Leben einschränken.

Das sind weitere Wochen, in denen ihr nicht ins Büro gehen dürft oder könnt. Viele weitere Wochen, in denen ihr ins Home Office “verbannt” seid. Und wenn dann irgendwann wieder die Normalität zurückkehrt, wird die Welt eine andere sein. Ich bin mir sicher, einige Firmen führen die “Telearbeit” (ich liebe diesen antiquierten Begriff aus den 80ern) als Normalität ein.

Das bedeutet: Gewöhnt euch ans Home Office! Nehmt es an und in euer Arbeitsleben auf. Und richtet euch so schnell wie möglich einen anständigen Heim-Arbeitsplatz ein, an dem ihr richtig, gesund und produktiv arbeiten könnt!

Wie richtet man sein Home Office ein?

Mit dem Notebook auf die Couch – fertig. Nein, so einfach ist es leider nicht. Hier ein paar Aspekte, die zu bedenken sind:

Rechtliches klären

Laut der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) gilt das Home Office auch als Arbeitsstätte. Das heißt, ihr müsstet diese nach §2 mit eurem Arbeitgeber zusammen einrichten und Vorkehrungen zu eurem Schutz treffen. Zum Beispiel, dass ihr einen ergonomischen Arbeitsplatz besitzt. Und dass ihr auf dem Weg in die Küche nicht ausrutschen könnt.

Ich kenne aber niemanden, der zusammen mit seinem Arbeitgeber seinen Telearbeitsplatz einrichtet. Und wie ich hier gelesen habe, gelten die Home-Office-Vorschriften der ArbStättV in Zeiten der Corona-Krise nicht.

Corona-Ausnahme hin oder her: Euer Arbeitgeber sollte euch ein paar Vorgaben machen, wie euer Arbeitsplatz in den heimischen vier Wänden auszusehen hat. Wenn nicht – sucht ein Gespräch. Nicht nur wegen der Arbeitsstättenverordnung gibt es ein paar rechtliche Fallstricke, die zu beachten sind (bspw. Datenschutz und Steuervorteile).

Umgebung

Viel Licht und Ruhe sind weitere Voraussetzungen, die ein Heimarbeitsplatz bieten sollte. Ja, zugegeben, das ist oft nicht möglich. Besonders wenn der Partner ebenfalls Home Office macht und die Kinder, deren Kita oder Schule geschlossen wurde, auch zuhause sind.

Trotzdem sollte jeder darauf achten, sich einen echten Arbeitsplatz zu schaffen. Arbeitsplatz – das Wort setzt sich aus zwei wichtigen Komponenten zusammen: Arbeit und Platz. Beides benötigt jeder, um stundenlang – und das über viele Wochen hinweg – produktiv und effizient arbeiten zu können.

Nehmt euch einen Schreibtisch, der nur dafür verwendet wird. Räumt ihn frei. Weg mit unnötigen Papieren, Akten und Büroutensilien! Und weg mit allen Dingen, die ablenken und nicht zur Arbeit gehören: Tablets, Bilder, Spielsachen, Urlaubserinnerungen und so weiter.

Achtet auf euren Körper!

Unternehmen sind dazu verpflichtet, präventiv zu vermeiden, dass ihr in Gefahr kommt oder dass eure Gesundheit gefährdet wird. Nackenprobleme und Bandscheibenvorfälle sind die größten Gesundheitsrisiken von Büro-Arbeitern. Deswegen sind ergonomische Stühle und Schreibtische das A und O. Das gilt auch fürs Home Office!

Ein Couch-Tisch und ein Küchenstuhl sind Gift für eure Körper, egal wie jung und fit ihr euch fühlt. Wer schon Rückenprobleme hat, sollte auch bei seinem Telearbeitsplatz weiterhin darauf achten, dass es ihm gut geht. Deswegen habe ich schon seit über zehn Jahren einen höhenverstellbaren Schreibtisch, an dem ich die meiste Zeit stehe. Ohne kann und möchte ich nicht mehr arbeiten.

Rückenschmerzen im Home Office vermeiden (Bild: ZDF WISO)

Gute Hardware

Auch das ist ein Klassiker: Um ihre Tätigkeiten zu verrichten, sitzen die Heimarbeiter gebückt und mit zusammengekniffenen Augen vor ihrem Notebook. Das pure Gift für die Augen, den Nacken und den Rücken!

Wer oft, lange oder dauerhaft von zuhause arbeitet, benötigt auch die richtige Hardware. Das ist meiner Ansicht nach die Mindestausstattung:

    • Notebook mit Docking-Station oder Desktop-PC
    • ein großer Monitor, besser zwei Monitore
    • externe Tastatur
    • ergonomisch geformte Maus, die zur Handgröße passt

Ich selbst schwöre auf diese Ausstattung, die seit vielen Jahren in meinem Heimbüro steht:

    • Desktop-PC
    • drei 24-Zoll-Monitore
    • Hochkant-Maus + leise Tastatur
    • Webcam + Freisprecheinrichtung
    • externe Festplatte
    • Laserdrucker + Multifunktionsgerät

Warum ich die genannten Konfiguration einsetze? Deshalb:

    • Drei Monitore – das mag exotisch klingen. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, möchte man nicht mehr ohne arbeiten! So nutze ich die Monitore:
      • Monitor 1 (links): zur Recherche oder zum Anzeigen von gerade aktuellen Informationen
      • Monitor 2 (mitte): zum Arbeiten, bspw. mit Google Docs
      • Monitor 3 (rechts, hochkant gedreht): Hier ist in der Regel mit Mail-Programm offen. Oder weitere Webseiten, auf denen ergänzende Infos für meine Arbeit auf Monitor 2 zu sehen sind.
    • Viele Menschen, die ständig am Computer arbeiten, kriegen einen “Mausarm” (das RSI-Syndrom). Das hatte ich auch schon ein paar Mal – echt schmerzhaft. Und sch….lecht, wenn man arbeiten muss. Eine Hochkant-Maus kann Sehnenscheidenentzündungen in der Hand oder im Arm verhindern. Ich setze seit langer Zeit die Speedlink Manejo ein und habe seitdem keinerlei Beschwerden mehr.
    • Da sorgt man für Ruhe in seinem Home Office – und dann geht man sich selbst mit einer lauten Tastatur auf den Keks. Unnötig! Deswegen rate ich, lieber ein paar Euro mehr auszugeben und sich dafür eine leise, robuste Tastatur mit guten Druckpunkten zuzulegen.
    • Videokonferenzen ersetzen sehr gut die meisten Meetings und Geschäftstreffen. Damit diese funktionieren, benötigt man nicht nur die passende Videokonferenz-Software (hier eine Übersicht), sondern auch die passende Hardware.
      Für ein professionelles Auftreten sollte die Videokonferenz mit HD-Qualität und einem guten Sound ablaufen (falls das die Internetleitung zulässt). Also: Kauft euch eine gute Webcam und eine Freisprecheinrichtung. Für Letzteres kann ich das Jabra Speak empfehlen.

Fazit

Macht euer Home Office nicht zum Opel Kadett! Lebt nicht mit faulen Kompromissen, die eurer Gesundheit und der Produktivität schaden. Der Heimarbeitsplatz sollte im Optimalfall ein vollwertiger Arbeitsplatz sein.

Fangt am besten heute anstatt morgen damit an, euer Home Office umzugestalten. Die Corona-Krise wird noch dauern. Und danach startet – hoffentlich – endlich mal die Digitalisierung in Deutschland richtig durch. Arbeiten von zuhause aus wird dann zur Normalität gehören. Und das ist auch gut so.

Bilder: Jürgen Kroder, ZDF WISO

 

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