Optimale Länge von Blogbeiträgen (Bild: Pixabay)

“Lange Blogbeiträge sind besser als kurze”: Stimmt diese oft gehörte Aussage? Nein! Das sind die Gründe dafür.

Hinweis: Die ursprüngliche Fassung des Beitrages stammt vom 23. Oktober 2020. Seitdem habe ich ihn mehrfach angepasst und mit neuen Inhalten angereichert. Das aktuellste Update erschien am 08. Februar 2021.

Blogparade: Wie lang muss ein Artikel sein?

300, 500, 1.000 oder gar 3.000 Wörter: Wie lange sollte ein Blogbeitrag sein? Diese Frage beschäftigt Blogger und Texter immer wieder. So rief zum Beispiel Ronny von Blog-als-Nebenjob.de im Juni 2020 zu einer Blogparade auf, sich diesem Thema zu widmen.

Da mir das Thema schon lange auf den Nägeln brennt, nehme ich das Stöckchen gerne auf. Hier meine Meinung zum Thema “Optimale Textlänge von Blogbeiträgen”.

Meine übliche Frage: Was ist das Ziel?

Was mich bei vielen Artikeln über die optimale Textlänge stört, ist die unkonkrete Fragestellung. Denn was versteht der Fragensteller unter “optimal”? Welche Ziele oder Messgrößen sind damit verknüpft?

Geht es um die Textlänge, bei der sich die Zielgruppe optimal informiert fühlt? Um die optimale Textlänge für ein gutes Google-Ranking? Um die optimale Länge, um die Verweildauer zu erhöhen? Oder um die optimale Länge, um Business-Ziele wie Conversions (zum Beispiel für Leads) zu erhöhen?

Um eine passende Antwort geben zu können, muss man das Ziel hinter der Frage nach der optimalen Textlänge kennen.

Lange Texte = super für SEO?

Wenn es um die Wortanzahl von Blogbeiträgen geht, wird oft die SEO-Keule herausgeholt. Denn ein Blog müsse – so viele Stimmen im Netz – unbedingt für Suchmaschinen optimiert sein.

Das sehe ich ganz und gar nicht so! Warum, das erläutere ich in meinem Beitrag “Müssen Firmenblogs unbedingt für SEO optimiert sein?”.

Schielt man jedoch auf eine Spitzenplatzierung bei Google und Co., gibt es sehr oft eine Aussage: längere Blogposts sind ideal für SEO. Ausführliche Beiträge ranken bei Google besser, so das Ergebnis verschiedener Erhebungen (zum Beispiel die oft herangezogene Analyse von Backlinko).

Länge Treffer bei Google (Bild: Backlinko)

Ja, es hat den Anschein, dass Google angeblich holistische Texte mag. Also ausführliche Texte, die ein Thema von A bis Z erläutern – wie ein Wikipedia-Beitrag.

Doch stimmt das wirklich? Können nur lange Beiträge bei Google eine Spitzenposition erreichen?

Was sagen SEO-Experten zum Thema Textlänge?

Nachdem ich diesen Beitrag schrieb, stolperte ich über einen passenden Sistrix-Post. Hieraus möchte ich einen sehr guten Absatz zitieren:

“Empfehlungen mit einem Anspruch auf Allgemeingültigkeit wie ‘mindestens XXX Wörter’ sind Unfug und ein schlechter Ratgeber. […] Ein Statistik-Beispiel, das den Trugschluss von solchen pseudowissenschaftlich Empfehlungen verdeutlicht. Die Durchschnittsgröße der Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft lag 2014 bei 1,85 Metern. Wäre es deshalb klug als Fußballtrainer nur Spieler aufzustellen, die mindesten 1,85 Meter groß sind? Man hätte auf wendige Spieler wie Phillipp Lahm (1,70 Meter) und Mario Götze (1,71 Meter) verzichtet. Deutschland wäre ohne diese Spielertypen und ohne das Siegestor von Götze im Endspiel gegen Argentinien wahrscheinlich nicht Weltmeister geworden.”

Der SEO-Profi Benjamin O’Daniel stimmt der kritischen Betrachtung zu. Was er vom Wettbewerb “Mein Text ist länger als deiner” hält, verrät er in der 24. Folge des USP Marketing Podcast:

Ranken lange Blogposts wirklich besser? Was sagt eigentlich Google dazu?

Johannes Müller (aka John Mu), Search Advocate bei Google, verriet schon 2019, dass die Wortlänge kein Rankingfaktor sei!

Diese Aussage wiederholte Müller unter anderem am 2. Februar 2021: “Google doesn’t use word-count as a ranking factor.”

Um es nochmals in andere Worten zu fassen:
Lange Blogposts ranken nicht per se besser!

Auch kurze Texte können rocken

Einen Beweis kannst du sehr schnell antreten: Wenn du nach bestimmten Begriffen googelst, merkst du bald, dass die Suchmaschine dir nicht nur lange Blogbeiträge oder Webseiten mit viel Inhalt empfiehlt.

Manchmal gibt es Treffer, auf deren Seiten fast kaum etwas steht – trotzdem wurden sie dir empfohlen. Warum?

Antwort 1:
Weil die Trefferseiten genau den Inhalt liefern, nach dem du suchst. Wenn du nur eine spezielle Frage beantwortet haben möchtest, benötigst du oft kein Ergebnis in Bibel-Länge. Aber genau das bieten viele holistische Texte mit 3.000, 5.000 Wörtern und mehr. Too much information!

Antwort 2:
Weil Google und Konsorten die Ergebnisse personalisieren. Sie schneiden die Treffer auf dein Profil und deine persönliche Suchintention vor. Wenn du nach “Hotel Mainz” suchst, möchtest du höchstwahrscheinlich keinen Beitrag über die Hotellerie-Geschichte der Stadt Mainz, noch einen Wirtschaftsbericht aller Hotel-Betreiber. Du willst lediglich ein Hotel finden, in dem du übernachten kannst.

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Was ist nun die optimale Textlänge?

Es kommt auf die Anforderungen an:

  • Welche Intention hat deine Zielgruppe?
  • Nach was suchen deine Leser?
  • Was erfahren deine Leser durch deinen Blogbeitrag?
  • Wie hilfst du ihnen weiter?
  • Was möchtest du mit deinem Text erreichen?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Blogbeiträge, bei denen viele (vermeintliche) SEO-Must-Haves nicht erfüllt werden, trotzdem Top-Rankings und beste Sichtbarkeitswerte erreichen können. So geschieht es immer wieder bei meinem Projekt StartUpWissen.biz.

Da gibt es zahlreiche Erklärtexte und Ratgeber, die ganz vorne ranken, manche Beiträge schaffen es sogar als Quelle für Wikipedia zu dienen (beispielsweise “Was bedeutet eigentlich … Disruption?”).

Warum sind diese Beiträge so gut? Weil sie genau die Fragen der Leser beantworten. Viele Suchende möchten nur kurze Antworten erhalten. Kompaktes Wissen in wenigen Absätzen, das reicht. Punkt.

Denke nicht nur an die Suchmaschinen!

Was du auch nie vergessen solltest, wenn du einen Blogbeitrag planst: Ein Text ist zu Ende, wenn das Thema zu Ende erzählt ist.

Viele umfangreichen Ratgeber – so mein Eindruck – werden künstlich aufgebläht, um möglichst viele (angebliche) SEO-Kriterien zu erfüllen.

Qualität statt Quantität, das ist das Motto fürs Content Marketing! Denn dass die Länge nicht alles ist, was zählt, wissen wir ja auch aus anderen Bereichen 😉

Und nun?

Atme durch. Glaube nicht jede Vermutung oder scheinbare Erkenntnis.

Und: Die Fixierung auf SEO ist nicht alles!

Zugegeben, die Onpage- und Offpage-Optimierung von Websites ist wichtig. Aber nur wenn du ein wirtschaftliches oder Traffic-orientiertes Ziel damit verfolgst.

Hobbyisten brauchen keine Suchmaschinen-Optimierung. Selbstständige und Unternehmen, die ihren Blog als echten Blog und somit als persönlichen Kanal sehen, ebenfalls nicht.

Hörtipp: Geld verdienen mit Blogs

Möchtest du wissen, wie man mit einem Blog Geld verdienen kann? Ronny von Blog-als-Nebenjob.de erklärt das in dieser Podcast-Folge:

Bilder: Pixabay, Backlinko

2 thoughts on “Was ist die optimale Länge für einen Blogbeitrag? [Update]

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