Content Marketing - Top oder Flop? (Bild: Pixabay)

Zigtausende Fans, Leser und Follower – das sind häufig die Erwartungen ans Content Marketing. So kommt auf ihr auf den Boden der Realität zurück.

Komplett falsche Vorstellungen

“Was, der Blog bringt nur 3.000 Visits im Monat? Lohnt sich der Aufwand überhaupt?”

“Unsere Facebook-Seite hat nur 500 Fans – voll schlecht!”

“Uh, der Podcast erreicht pro Monat nur 100 Zuhörer im Monat. Das rechnet sich doch gar nicht!”

Das sind Aussagen, die ich in dieser Art schon oft gehört habe. Momente, in denen ich kurz durchschnaufe und dann in einen Belehrungsmodus falle. Denn: Was mich daran stört, ist die Denkweise dahinter.

Menschen – besonders Manager und Unternehmer – denken immer in Zahlen. Diese sollen maximal groß ausfallen. Eine Facebook-Seite muss demnach mindestens 100.000 Fans haben, der Podcast 10.000 Zuhörer und der Blog 1.000 Leser pro Tag. Alles andere sei schlecht, mies und rausgeworfenes Geld – so die weit verbreitete Meinung.

Jeder Selbstständige und erst recht jedes Unternehmen braucht eine Audience wie ein Superstar. Und die muss von heute auf morgen – also über Nacht – entstehen und einem ständig zujubeln.

Sorry, das ist Quatsch!

Warum? Das erkläre ich in den folgenden Absätzen.

Alles ist relativ!

Große Ziele zu haben ist nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil: Nur wer nach den Sternen greift und getreu der Kaizen-Philosophie stets besser werden will, kommt voran. Als Selbstständiger oder Unternehmer darf es keinen Stillstand geben. Es gilt, selbst und ständig zu arbeiten. Das klingt hart, ist aber die Realität. Die Konkurrenz schläft nicht. Und auch das Rad der Zeit hält niemals an.

Doch solltet ihr stets mit einem Bein auf dem Boden der Tatsachen bleiben! Erfolg ist immer relativ, abhängig von vielen Faktoren.

Da wäre zum einen der Vergleich mit dem Wettbewerb. Als Solo-Selbstständiger kann man sich nicht mit einem Mittelständler oder einem Konzern vergleichen. Und ein Finanzberater darf sich nicht mit einem Yoga-Trainer messen.

Selbst das Messen innerhalb einer Branche kann ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen sein. Zum Beispiel, wenn ein Yoga-Trainer aus Buxtehude neidisch auf die Zahlen des englischsprachigen “Mitbewerbers” aus Los Angeles schielt.

Ebenso muss die Branche analysiert werden. Wie groß ist der Markt insgesamt, wie groß eure Nische? Nein, bitte macht nicht den Fehler und behauptet, euer Angebot sei für “ganz Deutschland” oder “für jeden Teenager im deutschsprachigen Raum” interessant!

Wenn ihr so denkt, leidet ihr unter Größenwahn und besitzt eine falsche Positionierung (oder wahrscheinlich gar keine).

Bedenkt auch den Faktor Zeit! Wie lange seid ihr schon im Business, wie lange die Konkurrenz? Wie lange auf sozialen Netzwerken oder mit einem Blog am Start, wie lange die Mitbewerber?

Wie groß ist die potentielle Audience?

Na, merkt ihr, worauf es hinausgeht? Um die richtige Messgrößen.

Geht nicht von einer potentiellen Zielgruppe von 80 Millionen oder noch mehr Menschen aus. Bleibt realistisch!

Wenn ihr euch selbstständig macht oder für ein Business zuständig seid, solltet ihr stets wissen, wie groß euer Markt und euer Marktpotential ist. Als Yoga-Lehrer in Buxtehude ist der Teich, in dem eure potentiellen Kunden schwimmen, recht übersichtlich. Er wird größer, wenn ihr beispielsweise Online-Kurse im deutschsprachigen Raum anbietet.

Konzentriert ihr euch aber nur auf Kunden in und aus Buxtehude? OK. Aber wie viele sind das? Babys, Kinder und Senioren fallen höchstwahrscheinlich weg, ebenso viele andere Bevölkerungsschichten. Am Ende bleibt da – realistisch betrachtet – eine überschaubare Zielgruppe übrig. Diese besteht nicht aus Millionen Menschen, sondern aus wenigen hundert oder eventuell tausend potentiellen Kunden. Genau die müsst ihr ansprechen!

Fans und Follower aus anderen Städten und Ländern sind zwar nett, aber nicht zielführend. Noch weniger sind das gekaufte Fake-Follower, die aus der Türkei, aus Pakistan oder Saudi-Arabien stammen.

Was immer das Ziel von Marketing sein sollte

Viele Marketing-Unwissenden nehmen fälschlicherweise an, das Ziel von Marketing sei es, mit einem Budget X eine maximal große Reichweite Y aufzubauen. Damit das gelingt, müsse man total kreativ sein.

Falsch!

Das Ziel von Marketing – das ja ebenso fälschlicherweise mit Werbung gleichgesetzt wird – ist es _nicht_ eine gigantische Audience aufzubauen. Nein! Vielmehr geht es darum genau die _richtigen_ Personen anzusprechen und diese zu überzeugen.

Auch angesagte Marketing-Formen wie Social-Media-, Inbound- oder Content-Marketing können den Wunsch nach maximaler Aufmerksamkeit nicht erfüllen. Müssen Sie auch nicht. Wenn, dann geht etwas schief.

Was bringt es, wenn ein Unternehmen beispielsweise 10.000 Facebook-Fans hat, aber 9.995 überhaupt nicht zur Zielgruppe des Produktes passen? Stattdessen fanden die vermeintlichen Fans lediglich die geteilten Katzen-Videos toll.

Tja, dann ist das Unternehmen “berühmt”, hat aber sein Geld zum Fenster raus geworfen, weil keiner der Fans jemals ein Kunde werden wird.

Was ist gut, was ist schlecht?

Das müsst ihr am Ende selbst entscheiden. Damit das gelingt, benötigt ihr eine Strategie – und diese besteht aus Zielen. Am besten sind diese SMART, also:

  • spezifisch
  • messbar
  • erreichbar (“achievable”)
  • realistisch
  • zeitlich terminiert

Ohne Plan und ohne Ziele ist jede Aussage über den Erfolg oder Misserfolg von (Content) Marketing obsolet.

Wichtig dabei sind – wie schon erwähnt – die Bezugsgrößen. Zum Beispiel die Größe eurer Branche, die Größe der Zielgruppe, die Zeit und die Konkurrenzsituation. Habt ihr beispielsweise die letzten zehn Jahre das Thema Social Media verpennt, müsst ihr diesen Umstand mit extrem viel Energie, Durchhaltevermögen, Qualitäts-Content und Budget ausgleichen.

Ja, der Faktor Zeit ist etwas, was beim Content Marketing nie unterschätzt werden darf! Blog-Inhalte, Podcasts oder eben Facebook-Präsenzen brauchen viel Ausdauer, um zu wachsen.

Content Marketing ist ein Marathon, kein Sprint. Einerseits, weil ihr euch durch Kontinuität und relevanten Inhalten einen Trust bei den (potentiellen) Fans aufbauen müsst.

Zum anderen dauert es auch bei technischen Dinge wie SEO viele Monate, bis erste zarte Ergebnisse sichtbar werden. Wobei auch Suchmaschinen-Optimierung zunehmend mehr gehaltvoller Content als Technik ist!

Seid nicht unrealistisch und überheblich

Viele Unwissende erwarten im Content Marketing einen Hockeystick. Also das exponentielle Wachstum. Dass das realitätsfern und überzogen ist, dürfte nach meinen Ausführungen nun klar sein.

Aber auch ein lineares Wachstum muss richtig gewürdigt werden! Wenn beispielsweise der Blog eines Yoga-Lehrers durch gewisse Maßnahmen von 100 auf 120 Leser im Monat steigt, ist das ein Erfolg. Ja, das mögen “nur” 20 Leser mehr im Monat sein – aber in Relation gesehen beträgt die Steigerung satte 20%!

Ebenso solltet ihr die absoluten Zahlen in ein rechtes Licht rücken. Zum Beispiel sind 100 oder 120 Leser – wenn es die richtigen sind – eben 100 bis 120 potentielle Kunden. Oder Bestandskunden, von denen euch viele weiterempfehlen.

Zudem: Sind 200 Podcast-Hörer schlecht? Stellt euch die Menschen mal vor. Sie würden einen kleinen Saal füllen. Wann habt ihr das letzte Mal vor solch einer Gruppe geredet?

Fazit: Hört mit eurer übertriebenen Zahlen-Geilheit auf!

Erfolge sind immer relativ!

Setzt im Content Marketing eure Zahlen und Ergebnisse in Relation zu den richtigen Messgrößen. Und denkt immer daran: Qualität vor Quantität! Sprecht lieber 50 Entscheider als 5.000 Fake-Follower an.

Damit das gelingt, benötigt ihr eine Strategie mit den passenden Zielen. Und eine nachhaltige Ausführung. Dazu gehört, gewisse Dinge richtig oder gar nicht zu machen.

Und geht nicht mit den falschen Anforderungen an die Erstellung eurer Inhalte. Denn: Content Marketing ist keine Werbeform!

Bild: Pixabay

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