Es wird gerne so getan, als gäbe es die Digitalisierung erst seit ein paar Jahren. Das stimmt nicht! Der Digitale Wandel läuft bereits viiiel länger.

Wie lange gibt’s schon Digitalisierung?

Wenn man aktuell manchen Politikern und Unternehmern zuhört, könnte man den Eindruck bekommen, die Digitalisierung sei etwas recht Neues. #Neuland eben. Etwas, was kürzlich erfunden wurde. So ein Trend. Einem, dem man halt mal folgen sollte, er scheint wohl nicht vorüber zu gehen.

Liebe Leute, wer so denkt und redet, hat den Knall nicht gehört! Und in den letzten Jahrzehnten unter einem Stein geschlafen.

Die Digitalisierung ist viel älter, als man denkt. Im engsten Sinne läuft sie seit ein paar Jahrzehnten, im erweiterten Sinne schon seit grob zwei, drei Jahrhunderten!

Wann begann die Digitalisierung?

Das ist nicht genau zu sagen. Zum einen kommt es darauf an, was man genau unter Digitalisierung versteht. Zum anderen handelt es sich um eine Entwicklung, die mit vielen kleinen Schritten begann.

Ein Schritt war die Erfindung der Lochkarte. Damit wurden analoge Prozesse in Bits (Loch oder kein Loch, 1 oder 0) umgewandelt. Lochkarten kamen bereits Mitte des 18. Jahrhunderts (also um 1750 herum) zum Einsatz, um Vorgänge zu automatisieren. Daraus resultierten Erfindungen wie Lochkarten-gesteuerte Webstühle und Drehorgeln.

Ein weiterer Meilenstein war der Z3, der erste funktionsfähige Digitalrechner. Ihn baute 1941 der deutsche Ingenieur Konrad Zuse. Ja, wir Deutschen haben die Digitalisierung vorangebracht – das vergisst man heutzutage gerne. Eine weitere wichtige Erfindung “made in Germany” war das MP3-Format, das 1982 am Fraunhofer Institut in Erlangen entwickelt wurde. Das verhalf zuerst illegalen Portalen wie Napster und später legalen Diensten wie iTunes und Musicload zum Durchbruch.

Die Digitale Wandel nimmt Fahrt auf

Machen wir aber noch kurz einen Schritt zurück: Weitere wichtige Eckpfeiler der Digitalen Revolution sind die 1960er- und 1970er-Jahre. In dieser Zeit kauften sich die ersten Unternehmen Computer und Großrechner (sogenannte Mainframes), um ihre Tätigkeiten zu digitalisieren. Sie speicherten ihre Daten unter anderem auf Magnetbändern und deutlich handlicheren Disketten.

In den 1980ern erfolgte dann die Digitalisierung der Kinderzimmer: Spielkonsolen wie der Atari VCS 2600 und Heimcomputer wie C64, Amiga und Atari ST eroberten die Herzen der Kinder und Jugendlichen. Hach, meine Kindheit!

Parallel dazu wanderten die “seriösen” Personal Computer in die Büros. Und in die Arbeitszimmer der Familienväter, welche sich mit Excel und Leisure Suit Larry beschäftigten.

Und gegen Ende der 1990ern erfolgte der Siegeszug des Internets. Dank AOL, Compuserve und T-Online waren wir alle plötzlich “drin”.

Der Phoenix, der aus der Asche stieg

Tja, dann kam sie: die erste Internet-Bubble. Die große, völlig überhitzte Wette auf die Macht des World Wide Webs. Die Blase platzte Anfang der 2000er und sorgte für Ernüchterung.

Nichtsdestotrotz trat die Digitalisierung und damit auch das Internet seinen großen Siegeszug an. Es folgte das, was – leider – viele Menschen heute immer noch als “neue Medien” bezeichnen.

Google, Facebook, Youtube, Wikipedia und viele andere Dienste, die mittlerweile vollkommen normal sind, entstanden in dieser wilden Zeit des sogenannten Web 2.0.

2007 folgte ein weiterer Paukenschlag: Apple stellte das iPhone vor. Es wurde zum ersten Smartphone, das den Massenmarkt eroberte. Da fortan jeder das Internet in seiner Hosentasche trug, entstanden exponentiell neue Geschäftsmodelle. Wer kann heute noch ohne Apps leben? Niemand!

Das Paradoxe daran: Obwohl wir bereits digital leben, kommt die Digitalisierung in den Köpfen nur schleppend voran.

Wo wir uns gerade befinden

Nun schreiben wir das Jahr 2020. Die Corona-Krise hat der Menschheit einen Dämpfer gegeben. Und zahlreiche Unternehmen in die Krise oder in die Pleite getrieben. Warum? Weil viele die Digitalisierung bislang ignorierten oder ihre Digitale Transformation nicht ernsthaft genug vorangetrieben haben.

Die großen Profiteure sind – nicht erst seit der COVID-Pandemie –  unter anderem GAFAM (Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft), Zoom, Paypal, Dropbox, LinkedIn, Tencent, Alibaba und viele weitere US-amerikanische und asiatische (meist chinesische) Firmen. Deutsche oder europäische Unternehmen spielen bei diesem Siegeszug eine sehr geringe bis gar keine Rolle.

Nun rächt sich, was über viele Jahrzehnte hinweg verpennt wurde. Der Dornröschenschlaf ist vorbei. Statt eines Kuss’ gab es einen Schlag in die Weichteile. Cloud-Dienste, soziale Netzwerke, E-Commerce, 3D-Printing, Virtual Reality oder 5G: Wo sind hier deutsche Unternehmen als Entwickler oder Anbieter dabei? Man muss mit der Lupe suchen…

Wo geht die Reise hin?

Die Digitalisierung ist ja nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil: Sie hat nun richtig Fahrt aufgenommen, das Wachstum erfolgt getreu dem 10X Thinking exponentiell! KI, Blockchain, Quantencomputing, Smart Citiys und Self Driving Cars sind heute schon mehr Science als Fiction. Sie werden sich viel schneller durchsetzen, als wir denken.

Ich freu mich drauf, denn ich liebe die Digitalisierung! Und ich hoffe, Deutschland hat in den nächsten Jahren mehr als nur SAP, Flugtaxis und die strenge Einhaltung der DSGVO zu bieten…


Buchtipp: Mehr über die Technologien der nahen Zukunft und deren rasante Verbreitung gibt’s in “10XDNA: Das Mindset der Zukunft”, dem neuen Buch von Frank Thelen.

 

Bilder: Shutterstock, Strategy-Transformation.com, Netzoekonom.de

1 thought on “Wie alt ist die Digitalisierung? Über 200 Jahre, kein Scherz!

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