Digitalisierung muss Mitarbeitern Spaß machen (Bild: Shutterstock)

Es ächzt und kracht in deutschen Unternehmen. Denn viele Mitarbeiter können der Digitalisierung nicht folgen. Damit sie nicht abgehängt werden, muss der Digitale Wandel zu einem Aha-Effekt führen. 

Die zwei Welten der Digitalisierung

Hach, mit der Digitalisierung ist es zum Verrücktwerden! Wie in meinem Blogbeitrag “Obwohl wir digital leben, kommt die Digitalisierung nicht voran” beschrieben, agieren die Deutschen im Privatleben bereits sehr digital. Andererseits zeigen verschiedene Erhebungen (zum Beispiel die letzte etventure-Studie), dass die Deutschen als Arbeitnehmer die Digitalisierung nicht ganz verstehen und es an Digital-Kompetenz mangelt.

Wie passt das zusammen?

Dafür gibt es selbstverständlich nicht _den einen_ Grund. Aber ein paar, die mir immer wieder auffallen.

Digitalisierungsfehler Nr. 1: Analog wie eh und je

Hier und da mal eine E-Mail, ein Angebot in Word geschrieben, Umsatzzahlen in Excel eingetragen – das war’s in in Sachen Digitaler Wandel. Es wird gearbeitet wie vor zehn, 15 Jahren. Halb analog, halb digital, mit Prozessen aus dem letzten Jahrhundert.

Digitalisierungsfehler Nr. 2: Fehlende Vorbilder

Die meisten Unternehmen funktionieren top-down. Was die Chefetage und das mittlere Management sagt und vorlebt, ist quasi Gesetz. Doch wenn die Herren (und meist wenigen Damen) wie “anno Tobak” agieren, kann es keine Veränderungen geben. Der Fisch stinkt eben vom Kopf herab.

Digitalisierungsfehler Nr. 3: Mega-Aktionismus

Auch diese Situation kennen sicherlich viele: Die Digitalisierung wird mit einem extremen Übereifer angegangen. Also schafft das Unternehmen eine Superduper-SAP-IBM-Microsoft-Salesforce-Hyper-Hyper-Lösung an. Die ist schweineteuer, die Implementierung kostet viel Zeit und Geld, die Bedienung fällt unfassbar schwierig aus. Und am Ende sind alle entnervt und frustriert.

Digitalisierungsfehler Nr. 4: Berater-Bullshit-Bingo

Die Digitale Transformation eines Unternehmens, gerade eines größeren KMUs oder eines Konzerns, wird in der Regel zusammen mit ein, zwei oder mehr Beratungsfirmen durchgezogen. Monatelang entwerfen hochbezahlte Consultants glanzvolle Präsentationen.

Am Ende gibt es Workshops für die Mitarbeiter. Da wird dann von Cloud, Industrie 4.0, Predictive Maintenance, IoT, Deep Tech und von vielen anderen Buzzwords geschwafelt. Versteht das der normale Mitarbeiter? Nö.

Digitalisierungsfehler Nr. 5: Fortbildungen – warum?

Einen weiteren Mangel deckt eine aktuelle KfW-Studie auf. Hier ein Zitat aus der Pressemeldung: “Die Digital-Kompetenzen der Beschäftigten bleiben hinter der Entwicklung zurück. Weiterbildung ist die wichtigste Lösungsstrategie, wird aber zu oft aus Kosten- und Zeitgründen unterlassen.”

Ohne Fortbildungen kein Wissen. Ohne Wissen kein Vorankommen in der Digitalisierung. Ohne Vorankommen verschärfen sich die Probleme. Ein Teufelskreis.

Was ist die Lösung?

Wie schon in meinem netz98-Fachartikel “Die 12 größten Fehler bei der Digitalisierung von Unternehmen” beschrieben, gibt es ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Eine Maßnahme davon halte ich für extrem wichtig: Immer an die User denken!

Die User sind in diesem Fall die eigenen Mitarbeiter. Sie müssen den Nutzen und die eigenen Vorteile in der Digitalen Transformation des Unternehmens erkennen. Warum wird eine neue Software eingeführt? Warum funktionieren Prozesse zukünftig anders? Was bringt die neue Hardware?

Dabei darf es nicht bei Erklärungen bleiben. Die Digitalisierungs-Verantwortlichen sollten möglichst früh die geplanten Neuerungen zeigen und/oder die Kollegen damit testweise arbeiten lassen. Nur so kann sich ein “Aha! Das ist ja toll!”-Effekt einstellen. Dieser ist extrem wichtig. Denn es müssen Dämme gebrochen werden.

Dann gelingt auch der Bogen vom Privatleben zum Arbeitsleben. Und umgekehrt.

Digitale Transformation im Geschäftsleben: Erleben. Mitmachen. Gerne anwenden.

Wir benutzen ganz selbstverständlich Netflix, Spotify, Alexa, Google Maps oder die Bahn-App. Warum? Weil wir einen Vorteil davon haben. Weil die Dienste unser Leben erleichtern und bereichern. Und weil die Beschäftigung mit Apps, Smart-Home-Anwendungen und dergleichen Spaß macht. So wird man – meist ganz unbewusst – zum “Digitalo”.

Digitalisierung muss auch im Geschäftsleben Erleichterungen und Vorteile bringen. Schnell. Einfach. Verständlich. Für jedermann.

Passend dazu möchte ich Roland Berger zitieren, der in einer ChangeRider-Folge das sagte:

“Wichtig ist, dass wir die Menschen für die Digitalisierung, für eine digitale Welt, für eine digitale Disruption gewinnen. Wir müssen transparent machen, welche Vorteile das für sie hat”

Also: Make it sexy!

Bild: Shutterstock

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